«Ich habe mich verirrt, komm aber gut voran»
привіт!
Es schüttelt mich gerade durch und es ist nicht so wirklich angenehm. Damit aber ein Prozess in Gang kommt, muss das wohl so sein und ich lass mich irgendwodurch auch etwas zwangsläufig auf das ein. Ich möchte tendeziell weniger negativ sein, aber es ist manchmal nicht einfach, die Motivation am Positiven zu finden. Darum erzähl ich dir einfach mal von meinen letzten zwei Wochen und vorallem vom gestrigen Tag, der mir so wirklich richtig eingefahren ist. Ready?
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Es fühlt sich an wie ein Trip. Also, um genau zu sein, fühle ich mich seit dem Gratisbrunch wie auf einem Trip. Nicht unbedingt positiv, wohl eher negativer Art, der jedoch auch positive Aspekte zum Vorschein bringt.
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Ich bin seit diesem besagten Sonntag (der 24. Juli 2022 geht definitiv in meine persönliche Gechichte ein) so richtig krank und inzwischen davon überzeugt, dass ich Corona hatte, wie viele von uns wahrscheinlich auch gerade durchmachen. Ich habe dabei gelernt, dass ich, bis ich nicht selber da drin stecke und einen Augenschein davon bekomme, mir dessen Auswirkungen nicht bewusst bin, bzw. diese nicht wirklich nachvollziehen kann. Ich muss gestehen, ich war schon sehr lange nicht mehr so krass krank und irgendwo behindert in meinen Aktivitäten. Aber so war es nun mal und dies bedeutet zwangsläufig für mich, trotz hundsmisserablem Körpergefühl, musste ich am Montag und Dienstag noch einige Dinge erledigen, weil das halt so ist, wenn man solche Sachen macht. Ich bin ja nicht angestellt, aber muss trotzdem meinen Verantwortungen nachkommen, egal wieviel Corona da gerade mitspielt. Das hat natürlich meinem Zustand nicht wirklich geholfen, ab Mittwoch hatte ich dann aber etwas mehr Ruhe und musste nichts mehr ausser Haus machen. Denn dieser Gang aus der Wohnung war extem anstrengend und fast nicht machbar. Die Augen tränten ständig, ich habe fast nichts gesehen, die Hitze noch immer im vollen Gange und ich fühlte mich einfach nur schlecht. Die richtig schwierige und anstrengende Zeit dauerte mindestens eine ganze Woche lang. Nun sind bereits 2 Wochen vergangen und bin noch immer nicht ganz auf der Höhe, aber zumindest habe ich wieder die Kraft und auch das Bedürfnis, ausserhalb von den eigenen 4 Wänden und dem geliebten Bett, etwas machen zu wollen und auch wieder zu können.
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Ich habe mich mehr oder weniger durch die letzte Woche hindurch geschlagen, natürlich inklusiv vielen Auf und Ab‘s und einigen Gesprächen die ich nachholen musste. Es verging eigentlich kein Tag an dem ich nicht mind. eine halbe WC Rolle als Nasentücher verbrauchen musste. Kommt mir grad in den Sinn, vllt. ist das auch ein Mitgrund, wieso wir am Anfang des Lockdowns so viel WC Papier gehortet haben? Aber lassen wir das mal auf der Seite und kommen wir zu gestern, der Freitag der Freitage.
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Naja, wie sieht denn so ein Freitag in meinem Leben aus? Ich will nach 2 Wochen rumliegen, unbedingt meinen Körper bewegen. Und vorallem hatte ich das Gefühl ich möchte mich mit Tieren umgeben. Tiere tun mir gut, so ähnlich wie es auch die Musik macht. Das sind zwei Sachen, die verarschen mich nicht, nie und nimmer und ich weiss das nur zu gut und das ist es auch, was ich jetzt brauche. Die Musik ist noch etwas früh, die kommt dann heute Abend wieder, aber ich hatte im Vorfeld viel Zeit um sie zu hören und mich vorzubereiten. Bei den Tieren, muss ich doch etwas weiter gehen. Also machte ich mich am Freitag ganz früh am Morgen auf den Weg zu Nadin und ihren 4-beinigen Freunde. Ich will da früh hin, weil die Hitze noch immer wahnsinnig anstrengend und auch für die Tiere nicht ganz ohne Auswirkungen ist. So nun war ich im Auto unterwegs am Greifensee entlang. Und ich fühle mich manchmal wie im Film, wenn ich mich auf die Szenen die mir begegnen, einlasse. Aber hier werde ich vllt. ein andermal etwas genauer darauf zu sprechen kommen.
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Ich habe für mich persönlich eigentlich beschlossen, dass ich in meinem Leben nie wieder auf einem Pferd (oder einem anderem Tier) reiten werde. Dies war der Zeitpunkt als ich für mich wusste, ich ernähre mich vortan nur noch pflanzlich. Zudem habe ich den Sinn nicht mehr eingesehen, wieso ich auf dem Rücken der Pferde rumgetragen werden und das Tier für mich dienen soll. Ich war als Teenager eine stolze Besitzerin eines Pferdes, von dem her, weiss ich von was ich spreche. Nun, man kann seine Meinung durchaus auch revidieren und neu einstellen und muss dabei auch kein schlechtes Gewissen haben, sondern einfach ehrlich zu sich selbst sein. Ich beziehe das jetzt nicht auf die pflanzliche Ernährung, sondern eher auf das Reiten der Pferde. Es kommt ja auch immer darauf an, wie man sowas macht und ein Paradebeispiel durfte ich nun gestern miterleben.
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Also dh. Nadin und ich sind am Freitag Morgen in der früh, mit fast der ganzen Rasselbande, wobei da neben den beiden Pferden, noch 5 gerettete Hunde waren, in den Wald und haben uns alle bewegt, was ich ja so dringend benötigte. Natürlich ist diese Ausgangslage mit all diesen geretten Tieren, die irgendwo durch, alle einen Knall haben, nicht gerade einfach, aber sie hat das super im Griff und ich bin überwältigt, wie sie das alles so packt. Es geschiet bei ihr alles, immer und jederzeit auf einer freiwilliger Basis und es funktioniert. Wir Menschen machen das in der Regel nicht so, weil alles wie Maschinen zu funktionieren hat. Aber Nadin hat mich davon überzeugt, dass das reiten ohne Stangen im Maul der Pferde, super entspannt sein kann. Ich glaub die beiden Galopps haben es auch genossen und die 5 Hunde waren sowas von ready. Ich würde behaupten, sie alle sind ein mega eingespieltes Team und es war mir eine Freude hier einzutauchen. Und zudem, hatten Nadin und ich ausserordentlich gute und tiefgründige Gespräche auf dem Rücken der Pferde. Der pure Wahnsinn ♥
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So weit, so gut alles wunderbar, aber es gibt da noch ein grosses ABER. Fast jedesmal, oder eigentlich doch immer, sieht man bei solch schönen Schlüsselerlebnissen, leider auch immer die unschönen Sachen. Meistens ist es der Mensch, der unglaublich grausam sein kann. Ich komm jetzt zu dem Teil, bei welchem ich sagen kann, dass ich gerade einen Trip erlebe.
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Obwohl es super schön war auf den Rücken der Pferde zu sitzen und durch den Wald getragen zu werden, werde ich sofort auch mit dem Unschönen konfrontiert. Einige nehmen das ebenfalls war und lassen es zu, andere wiederum nicht. Ich für mich nehme es war und lass es auch zu.
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Naja, die Pferde stehen auf einem Hof, welcher ein Milchbetrieb ist. Mit Kühen und so, weisst du. Ich habe erst gerade kürzlich von meiner Anziehung von Kühen gesprochen. Und ja, da hatte es natürlich diese Kühe. Die Bauern da, generieren mit den Tieren ihr Einkommen. Die grossen Kühe, soweit ich das beurteilen kann, waren im Stall, oder im Auslauf, sie sind zumindest nicht ständig angebunden und haben eine gewisse Bewegungsfreiheit. Es geht mir aber vorallem um die Kleinen Kühe. Erst gerade geboren, werden sie sofort den Müttern weggenommen, damit die Milch der Mutterkühe für die Menschen abgesogen werden kann. Ich empfinde das super krass und extrem pervers! Dass soll normal und okee sein? Anyway, das lass ich nun mal einfach so stehen.
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Diese kleinen Kälber, in diesem Fall waren die meisten erst ein paar Tage alt, knallt der Bauer dann in ein Iglu, ganz alleine jedes für sich alleine. Diese Iglus sind so klein, dass sich das Kälbchen fast nicht bewegen kann. Sie stehen dann nicht auf der Wiese, sondern da auf dem Betonboden in der prallen Sonne (oder im Winter im Schnee). Immerhin hatte es ein paar Sonnenschirme, aber es war einfach unerträglich heiss da. All diesen 5 Kälber ging es sehr schlecht, dies ist in der Regel keine Seltenheit und ich habe Nadin gefragt, ob wir kurz bei ihnen vorbeischauen, um ihnen wenigstens einmal im Leben etwas Liebe und Zuneigung zu schenken. Wir haben uns dann ein Bild über den Zustand der Tiere gemacht, und es war einfach nur haaresträubend. Eines wird es die nächsten Tage nicht schaffen, die anderen vielleicht und man schaut einfach nur zu und lässt sie dahin vegetieren. Nadin vermeidet es, da allzu oft hinzugehen, wo die Kälber stehen, weil es einfach zu krass ist, das alles auszuhalten und nichts machen zu können.
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Wir waren dann da und Nadine sind die Tränen runtergelaufen, da kommt die verstimmte Bäuerin, welche offensichtlich nicht amüsed war. Sie rannte fast auf uns zu und fragte ziemlich direkt; Kann ich euch irgendwie helfen? Geht doch nicht das ihr hier so rumheult. Wir reissen uns jeden Tag unseren Arsch auf, dass es den Tieren gut geht. Und wir können auch nichts dafür, dass die Tiere diesen doofen Durchfall haben. So basta!
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Opla, nur durch unsere Anwesenheit bei den Tieren, ist man gleich so genervt? Hat das vllt. mit dem schlechten Gewissen zu tun? Läuft es mit der jetzitgen Technik doch nicht ganz so, wie man sich das gerne vorstellt? Ist da doch irgendwie eine Art Herz und Mitgefühl vorhanden?
Aber gell, man muss da ein wenig aufpassen, denn hier gehts manchmal zu wie im wilden Westen, die Flinte wird dann schnell mal gezückt. Ich habe mich mit antworten zurückgehalten und nur gesagt, ich heule grad nicht. Da ich mir dieser Problematik mit der Auseinandersetzung bewusst bin, eigentlich auch nur Gast hier bin und Nadin nicht unnötig Steine in den Weg legen möchte hab ich dann leer geschluckt und nichts mehr gesagt. Nadin hat dann super gut gekonntert und wir sind dann wieder abgezogen.
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Aber eigentlich möchte ich nach dieser Begegnung mit den Kälbern nur noch losheulen. Diese traurigen, kranken Augen lassen mich nicht mehr los. RIP ihr lieben Seelen und gutmütigen Wesen. Ihr seid ganz bestimmt an gar nichts Schuld!
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«Ich habe mich verirrt, komm aber gut voran»
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Lieber Gruss
Gabriela